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Freie Presse, 8.10.2009:

Geist des Blues lebt in Geyersdorf wieder auf
Musiker aus USA spielen in der Turnhalle

Von Sara Thiel

Geyersdorf. Alles blickt derzeit zurück auf das Deutschland vor 20 Jahren, als die Ostdeutschen in den Westen drängten. Die ganze Medienlandschaft berichtet vom Wende-Jubiläum. Die ganze Medienlandschaft? Nein, im kleinen Geyersdorf trifft sich ein Häufchen Unerschrockener, die haben sich einerseits den Geist der Blueser bewahrt, der sie schon zu DDR-Zeiten zwang, sich in seltsamen Verkleidungen zu zeigen - Jeans, Parka, Fleischerhemd. Andererseits leben gerade sie die Globalisierung vor.
Die Veranstalter der ab 20 Uhr einladenden Annaberger Bluesnacht fliegen am Samstag einen Texaner ein, dessen Name einerseits deutsch ist und andererseits klingt wie ein irischer Likör. Jürgen Bailey importiert Musik aus seiner Heimat: astreinen Texasblues á la Stevie Ray Vaughan und ZZ Top. Und das alles macht er ohne großen Aufwand: Drei Leute reichen. Jay Bailey selbst an der Gitarre, dazu Drummer Tim Kroker, der in der belgischen Band Front 242 auf sich aufmerksam gemacht hat, und schließlich noch Ernie Schmiedel - ein deutscher, der auf der amerikanischen Hammond B3 orgelt, was das Zeug hält. Auch Big Daddy Wilson, der mit seinem Duo-Partner anreist, kommt mit einer kleinen Besetzung aus und gibt sich trotzdem international. Wilson kam aus North Carolina nach Deutschland und musste erst Tourneen durch Holland, die Schweiz und Ungarn absolvieren, ehe er gut genug für Geyersdorf war. Er verarbeitet Folk, Country, Soul und Funk in seinen Songs, die vor allem von einem getragen werden: seiner außergewöhnlichen Stimme.
Und damit keiner denkt, in der Geyersdorfer Turnhalle können sie nur klein-klein: EB Davis bringt seine gesamte Superband mit. Neben fünf gestandenen Musikern ist auch Nina T. Davis zu erleben. Die Boogiepianistin hat schon vor fünf Jahren die Turnhalle gerockt. 

Freie Presse vom 12.10.2009

Freie Presse, 12.10.2009:

Blues-Mekka für einen Abend
500 Gäste besuchen Konzert-Nacht in Geyers-dorfer Turnhalle - Fans hoffen auf 20. Auflage im nächsten Jahr

Von Dirk Trautmann

Geyersdorf. Das Gesicht zerknittert, die Gitarre voller Schrammen, aber die Augen strahlen: Jay Bailey und seine Band brachten die Geyersdorfer Turnhalle bei der 19. Annaberger Bluesnacht zum Kochen. Der Amerikaner beendete diese Stunden später auch, denn er legte am Sonnabend eine Doppelschicht ein. In der "Superband" von EB Davis nahm er seine Gitarre noch einmal hart ran. Knapp 500 Besucher waren in den Ortsteil der Kreisstadt gekommen, um sich diesen besonderen Abend nicht entgehen zu lassen.
Organisiert wurde die Bluesnacht erneut vom rührigen Verein zur Förderung von Livemusik. Auch im Mittelteil gab es mit Big Daddy Wilson ein Schmeckerchen. Schon zum 19. Mal zog es die Fans ins kleine Geyersdorf - und wieder war es mächtig heiß in der Turnhalle. Allerdings nicht mehr so stickig wie früher, als noch der Zigarettenrauch die Luft schwängerte.
Die Gäste, zwischen 20 und 70 Jahren alt, tanzten so gut es eben ging inmitten der Massen. Musik für das Herz, die aus dem Bauch herauskommt: Blues verbindet Jung und Alt. Das Publikum war begeistert - und die Musiker auch. Jay Bailey, der drei Hendrix-Nummern - darunter ein bejubeltes "Voodoo Child" - in den Geyersdorfer Nachthimmel steigen ließ, meinte: "Die Leute waren großartig, es hat jede Menge Spaß gemacht."
Zur jüngeren Besucherfrakation gehörte Robert Bocher. "Ich bin zum ersten Mal bei der Bluesnacht und gar kein richtiger Fan, höre eigentlich mehr so etwas wie Red Hot Chili Peppers. Aber hier geht es zu den Wurzeln heutiger Rockmusik zurück. Warum soll ich nicht meinen Musikhorizont erweitern? Dabei kann ich auch die Seitenwege von der Hauptstraße erkunden", meinte der 23-Jährige.
58 Jahre alt ist dagegen Roland Bartels. Der ehemalige Buchholzer und jetzige Duisburger wird einmal im Jahr zum überzeugten Geyersdorfer. "Ich war jedes Mal dabei, bin also schon ein verdienter Veteran der Bluesnacht", meinte der grauhaarige Mann lachend. "Blues habe ich schon immer gehört, war auch früher in der Tramperszene. Die Veranstaltung hier ist daher eine gute Gelegenheit, alte Freunde wiederzutreffen."
Sein Neffe Thomas - langhaariger Metalfan - genoss den Abend ebenfalls. "Wenn so etwas in der Gegend los ist, muss man einfach hin. Es ist immer gut, den Ursprung zu kennen, denn der Blues hat ja auch den Metalbereich stark beeinflusst", sagte der 26-Jährige aus Annaberg-Buchholz. Kathleen Schmidt aus Schönfeld war "eigentlich nur als Begleitung" ihres Ehemanns Peter mitgekommen. "Ich stehe nicht auf Blues, mehr auf Diskomusik. Aber hier ist es toll, es ist einfach ein Treffpunkt. Ich habe schon viele alte Bekannte wiedergesehen", erzählte die 50-Jährige. Gegen 2 Uhr war die Annaberger Bluesnacht zu Ende. Die Fans hoffen, dass sie wiederkommen dürfen: zur 20. im kommenden Jahr.

 
Verein zur Förderung von Live-Musik e.V. | mluepfert@web.de